Systembrett-Anleitung: Schritt für Schritt zur ersten Brettaufstellung
Von Lisa Z. ·

Die systemische Arbeit ist hochgradig individuell, fließend und prozessorientiert. Es gibt nicht den einen richtigen Weg, um eine Aufstellung durchzuführen. Dennoch hat sich in der Praxis ein roter Faden etabliert, der besonders beim Einstieg oder zur Strukturierung einer Sitzung helfen kann.
Dieser Leitfaden führt dich durch fünf bewährte Phasen der Aufstellungsarbeit, mit Beispielfragen für die Praxis und Hinweisen, was sich in Online-Sitzungen ändert.
Wichtig vorab: Das Gerüst ist nicht das Gesetz
Betrachte diese Phasen bitte als hilfreiche Orientierung und nicht als starre Checkliste. In der Praxis verschwimmen diese Schritte oft miteinander. Erlaube dir und deinen Klient:innen, von diesem Ablauf abzuweichen, wenn der Prozess es erfordert. Die Methode passt sich dem Menschen an.
Was du für eine Brettaufstellung brauchst
Analog benötigst du ein Holzbrett und einen Satz unterscheidbarer Figuren. Im digitalen Raum übernimmt ein Online-Systembrett beides: Brett und Figuren stehen direkt im Browser bereit. Deine Klient:innen brauchen nur einen Link, keine App-Installation und keinen eigenen Account.
Phase 1: Das Anliegen klären
Vor der ersten Figur steht oft die Frage: Worum geht es wirklich? Ein gutes Anliegen ist konkret genug, um es aufzustellen, und offen genug, um Neues zu entdecken.
Was möchtest du heute anschauen?
Woran würdest du merken, dass sich die Sitzung gelohnt hat?
Wer oder was gehört aus deiner Sicht zu diesem Thema dazu?
Phase 2: Figuren auswählen und aufstellen lassen
Die Klientin wählt für jedes relevante Element eine Figur: Personen, Teams, aber auch abstrakte Größen wie ein Ziel, eine Angst oder eine Entscheidung. Die Wahl selbst ist bereits eine Aussage: Wer bekommt die große Figur, wer die kleine, wer eine eckige, wer eine runde? Frage nach und biete deine Wahrnehmung an, aber deute nicht vor.
Die Klientin stellt die Figuren auf das Brett so, wie es sich im Moment anfühlt. Wichtig: Du begleitest, die Klientin stellt. Achte dabei auf den Prozess: Wo zögert sie, welche Figur wird mehrfach umgestellt, welche kommt zuletzt, welche wurde eventuell vergessen?
Phase 3: Das Bild erkunden
Ist das erste Bild (der Ist-Zustand) fertig, beginnt die eigentliche Reflexion. Gute Explorationsfragen richten den Blick auf die Beziehungen zwischen den Elementen statt nur auf Einzelfiguren:
Wenn du das Bild von außen betrachtest: Was fällt dir als Erstes auf?
Wer sieht wen? Wer schaut weg?
Wer steht am nächsten bei dir, wer am weitesten entfernt?
Was würde diese Figur sagen, wenn sie sprechen könnte?
Wie geht es dir, wenn du das so siehst?
Am digitalen Brett kommt eine besondere Möglichkeit dazu: der Wechsel in die Ich-Perspektive einer Figur. Aus deren Blickwinkel wirkt dasselbe Bild oft überraschend anders.
Phase 4: Verändern und Probehandeln
Nun darf sich das Bild bewegen. In dieser Phase wird experimentiert: Eine Figur wird gedreht, ein Abstand verkleinert, ein Hindernis entfernt oder eine völlig neue Ressource kommt hinzu. Nach jeder Veränderung gilt: Innehalten und nachspüren.
Fühlt es sich so stimmiger, schwerer oder einfach nur anders an?
Welche kleinste Veränderung hätte jetzt die größte Wirkung?
Was macht das mit dir? Wie wirkt nun das Gesamtbild?
Phase 5: Abschluss und Transfer
Zum Schluss wird die Brücke zurück in den Alltag gebaut. Die Erkenntnisse aus dem Raum sollen in die Realität übersetzt werden: Was nimmt die Klientin mit? Was wäre ein allererster, machbarer Schritt?
Halte das Abschlussbild fest. Online geht das mit einem einfachen Klick als Snapshot. Dabei kann es auch hilfreich sein die Zwischenschritte zu dokumentieren. Die Fotos werden direkt in deinem Slefdimension Konto gespeichert.
Systembrett online: Was ist anders?
Der methodische Ablauf bleibt identisch, die Technik tritt bestenfalls völlig in den Hintergrund. Beide Seiten sehen dasselbe Brett in Echtzeit, die Klientin bewegt ihre Figuren per Maus oder Touchscreen selbst. Die Erfahrung mit Selfdimension zeigt: Hemmschwellen sind online oft wesentlich niedriger als erwartet. Warum auch technikferne Klient:innen gut zurechtkommen, liest du im Artikel über digitale Hemmungen. Was ein Online-Systembrett grundsätzlich ist, erklärt unsere Überblicksseite.
Häufige Fragen zur Systembrett-Anleitung
Wie lange dauert eine Brettaufstellung?
Als eigenständige Sequenz meist 30 bis 50 Minuten. Das Brett lässt sich aber auch nur punktuell für 5 Minuten einsetzen, etwa um einen Ist-Zustand kurz sichtbar zu machen, wenn Worte nicht reichen.
Brauche ich eine Ausbildung dafür?
Für den professionellen Einsatz solltest du systemisch arbeiten können, die Brettarbeit selbst ist methodisch schnell gelernt. Wer analoge Brettaufstellungen kennt, kann außerdem sofort online arbeiten.
Probiere die Schritte direkt aus: Das Online-Systembrett von Selfdimension kannst du 14 Tage kostenlos und völlig unverbindlich testen. Die Registrierung ist in 1-2 Mintuten abgeschlossen und du benötigst für den Testzugang keine Kreditkarte.